Ein lebendiges Erbe
Die Olivenhaine von Fiorente sind alt, einige der Bäume mehrere Jahrhunderte. Sie wurden gepflanzt in einer Zeit, in der Landschaft noch als Beziehung gelebt wurde. Diese Olivenkulturen sind mehr als landwirtschaftliche Flächen: Sie sind kulturelles Erbe, ökologische Stabilisatoren und lebendige Zeugen eines anderen Umgangs mit Zeit und Natur. Und über die Arbeit hinaus, sind sie Räume der Begegnung. Alles, was hier geschieht, wächst aus dem Respekt vor dem Lebendigen.
Landschaft als Ganzes
Fiorente versteht Olivenkultur nicht isoliert. Der Hain ist eingebettet in ein größeres Gefüge: Terrassen, Trockenmauern, Baumgruppen, Waldbereiche, Wild- und Heilkräuter, Käfer, Schmetterlinge, Vögel und andere Tierarten – alles gehört zusammen. Die Pflege der Olivenkulturen ist immer auch Pflege der Landschaft als Ganzes. Ein behutsames Stabilisieren und Entwicklung dessen, was über Generationen gewachsen ist.
Zeit als Mitwirkende
Ein Olivenbaum denkt nicht in Erträgen, sondern in Jahrzehnten. Unsere Arbeit orientiert sich an dieser Zeitlichkeit. Sie nimmt den Druck heraus und gibt dem Leben Raum, sich aus eigener Kraft zu erneuern. So entsteht eine Kultur, die Vergangenheit und Zukunft verbindet – und im Jetzt verankert ist.
Pflege als Beziehung
Wir pflegen unsere Olivenkulturen deshalb nicht nach wirtschaftlichen Grenzerträgen, sondern schonend nach den Lebensrhythmen der Bäume, in reiner Handarbeit unter Beachtung der Vorgaben einer biologischen Landbewirtschaftung, ohne jeglichen Einsatz von Pestiziden und synthetischen Pflanzenschutzmitteln. Priorität hat der vorbeugende Pflanzenschutz, ermöglicht durch die vorhandene und geförderte hohe floristische und faunistische Artenvielfalt. Die Düngung erfolgt schonend mit im Betrieb anfallendem organischen Holz-Häckselgut und Mulchmaterial. Wir achten auf einen Kronenschnitt im Stil der „Vaso Policonico“, der es dem Baum erlaubt, sich wie ein Kelch nach oben zu öffnen, um Licht, Luft und Wärme zu sammeln. So entstehen starke, gesunde, atmende Kulturen, die ihre Kraft zurück in die Landschaft geben.
Ernte – Gemeinschaft und Essenz
Die Olivenernte ist der Höhepunkt des Jahres – sie ist kein Abschluss, sondern ein Zusammenführen dessen, was über Monate gewachsen ist: Auf Fiorente werden die Oliven schonend und vollständig von Hand geerntet. Die frühe Ernte im Herbst bewahrt den hohen Gehalt gesundheitsfördernder Inhaltsstoffe und erhält die Klarheit des Öls. Durch die Handarbeit wird die Ernte zudem zu einem gemeinschaft-lichen Geschehen. Familie, Freund:innen und Weggefährt:innen kommen zusammen, getragen vom Rhythmus des Hains. Die Art der Ernte spiegelt die Haltung der Pflege. Was über das Jahr hinweg achtsam begleitet wurde, wird auch im Ernten mit Würde behandelt. Die angewandte Sorgfalt umfasst selbstverständlich auch die Ölgewinnung in hochwertiger Mahl- und Zentrifugentechnik. Im Olivenöl verdichtet sich letztendlich all das: Licht, Zeit, Aufmerksamkeit und Beziehung – es ist die Essenz eines Jahres – und eines Ortes.
Warum diese Olivenkultur zählt
In einer Welt, in der Natur oft auf Produktivität reduziert wird, steht Fiorente für einen anderen Weg: Für Landwirtschaft als Beziehung. Für Pflege als kulturelle Handlung. Für Landschaft als beseeltes Wesen. Die Olivenkultur von Fiorente ist ein stiller Gegenentwurf – und zugleich ein lebendiges Versprechen.